Krankenhaus – a dream within a dream

Durch | 11. Februar 2023

Wegen meines Unfalls war ich diese Woche im Krankenhaus und musste operiert werden. In der Regel ist das kein Spaß für mich, da ich in Folge der Schmerz- und Narkosemittel meistens wilde Träume und Halluzinationen habe. Das liegt wohl auch daran, dass ich Substanzen, die Einfluss auf Wahrnehmung haben, grundsätzlich schlecht vertrage und nicht gewohnt bin. Das nebenstehende Bild gibt einen Eindruck von einem der harmloseren Träume. Es ist ist auch ein Einstieg zu einigen Betrachtungen aus dem Krankenhausalltag.

Vielen Dank an alle Helfer:innen, die mich diese Woche wieder auf die Beine gebracht haben. Die meisten waren sehr freundlich und im Rahmen der Möglichkeiten, die ein modernes Klinikum noch lässt, sehr entspannt. Ich stelle mir das sehr belastend vor unter dem vielseitigen Druck das Wesentliche, sich um Patienten zu kümmern, nicht aus den Augen zu verlieren. Vielen scheint das noch zu gelingen, es bleibt die Frage wie lange noch? Von ein paar schönen Momenten und einigen stirnrunzelnden möchte ich noch erzählen.

Die Operation – zumindest der Teil, den ich mitbekommen habe – fühlte sich an wie ein soziales Event. Der Betten-Schiebedienst nutzt mittlerweile Barcode-Leser. Damit wird registriert wann Patient:innen abgeholt und an anderer Stelle abgeliefert werden. Auf der Fahrt zur OP witzelten wir, dass das mittlerweile wie bei einem Paketdienst funktioniert und vielleicht vermerkt wird, dass Patient nicht abgeliefert werden konnte und am vereinbarten Ablageort hinterlegt wurde. Diese Ablageorte, gewissermaßen Krankenbett-Garagen direkt vor dem OP-Trakt gibt es wirklich. Dort wird man dann nach Anlieferung für die OP abgeholt und fertig gemacht. In der Narkosevorbereitung wurde ich freundlich begrüßt, die Ärztin kannte mich noch von einer früheren Operation. Die Ärztin, die mich in der Notaufnahme untersucht hatte, war auch noch da und bei der Operation dabei. Zwischendrin habe ich mich schon gefragt, ob es wirklich so gut ist, wenn sich Ärzt:innen an einen erinnern und großes medizinisches Interesse zeigen ;-). Auch im Aufwachraum traf ich auf bekannte Gesichter, die die sich noch an mich erinnern konnten.

Besonders positiv ist mir aufgefallen, dass alle Gespräche und Aufklärungen klar, präzise und situationsgerecht verliefen. Von einer ärztlichen Überheblichkeit, die ich früher durchaus erlebt hatte, war nichts zu spüren. Auch die sprichwörtlichen Oberschwestern auf der Station scheinen ausgestorben zu sein. Alles in allem konnte ich an jedem der vielen Orte, zusammen mit denen, die sich um mich kümmerten, lachen. So hatte ich das bisher noch nicht erlebt.

Das Runzeln der Stirn rührte von Features der neuen Software und diversen Datenschutzregularien. Die neue Software, die im Klinikum verwendet wird, hat offensichtlich ein Feature oder einen Bug, der es ermöglicht, Patienten und Vorgänge mehrfach anzulegen, die dann im Nachgang manuell bereinigt werden müssen. Da ich in der Notfallaufnahme aufgenommen, in der unfallchirurgischen Ambulanz zwischen behandelt und dann stationär aufgenommen wurde, waren zwei Datensätze mit unterschiedlichen Barcodes entstanden, die die bei der stationären Aufnahme manuell bereinigt werden mussten. Der Fall, dass eine Station einen anderen Barcode verwendet als andere Abteilungen ist also durchaus realistisch. Man stelle sich die möglichen Auswirkungen auf das Krankenhaus interne Transportwesen vor ;-). Am Ende können Patienten wirklich nicht zugestellt werden. Die Vorstellung, dass in solchen mehrfachen Datensätzen auch Medikationen abweichend dokumentiert werden können, ist dann nicht mehr witzig.

In Sachen Datenschutz ist das Formular-Theater im Krankenhaus absurd. Derart über formulierte Erklärungen und Freigaben sind möglicherweise an keiner anderen Stelle zu finden. Irgendjemand hat da die Datenschutzgrundverordnung nicht zu Ende gelesen und völlig über interpretiert. Selbstverständlich sind Ärzte gesetzlich verpflichtet Diagnosen, Medikationen usw. an weiter Behandelnde zu übermitteln. Sie würden sich strafbar machen, wenn Sie diese Information zurückhalten würden. Insofern ist meine Zustimmung zur Weitergabe dieser Daten völlig überflüssig und lenkt vielleicht von anderen wirklich zu schützenden Daten ab.

Soweit es sich bis jetzt sagen lässt ist die Operation erfolgreich und gut verlaufen und ich hoffe mal, dass keine weiteren Komplikationen auftreten. Einerseits hätte ich auf den Unfall und seine Folgen gerne verzichtet, andererseits konnte ich neue Erfahrungen machen, die mich noch eine gute Weile auch im Positiven begleiten werden.

2 Gedanken an “Krankenhaus – a dream within a dream

  1. Frau Momo

    Also als erstes Mal schnelle und gute Besserung. Martin landet ja nächste Woche auf dem OP Tisch. Schön ist sowas ja nie, aber wenn einem geholfen wird, ist es ja auch gut.
    Ich habe jetzt echt Kopfkino… hoffentlich stellen Sie Martin dann nicht Zuhause zu oder gar in die Packstation, die wir sonst so gerne nutzen 🙂

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    1. Aebby Beitragsautor

      Jetzt habe ich auch Kopfkino. Du bekommst dann eine SMS mit der Nachricht „Paket wurde am vereinbarten Ort abgelegt“

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