am Abend vor dem Krieg

Durch | 22. Februar 2022

Heute am Abend des 22.02.2022 scheinen die gegenseitigen Bemühungen die Lage in der Ukraine eskalieren zu lassen von Erfolg gekrönt zu sein. Damit ist meine verbliebene Ironie der Verzweiflung aufgebraucht. Heute Nachmittag hat das russische Oberhaus einem Militäreinsatz zugestimmt. Dieser Einsatz soll die Bürger der gestern von Russland anerkannten „Volksrepubliken“ Donezk und Luhansk schützen. Ob sich schon russische Truppen in den „Volksrepubliken“ befinden ist derzeit unklar. Die Meldungen sind widersprüchlich.

Ich habe wenig Hoffnung, dass ein diplomatisches Wunder geschieht. Es könnte also folgendes passieren: Russische Truppen rücken nach Donezk und Luhansk vor. An der „neuen“ Grenze zwischen den Volksrepubliken und der Ukraine kommt es zu bewaffneten Zwischenfällen. Die Nato antwortet mit halbherzigen Aktionen und Luftschlägen, bei denen Zivilisten sterben. Die Lage eskaliert weiter und die ganze Ukraine versinkt im Krieg – danach steht der Krieg an der Grenze zu etablierten Nato-Staaten.

Was dann? Wird deeskaliert oder kommt es zum Dammbruch und ganz Europa versinkt im Krieg. So oder so scheint es mir, dass zumindest für mich heute Abend eine neue Zeitrechnung begonnen hat.

Im Krieg ist die Wahrheit das erste Opfer
angeblich von Aischylos: Aischylos* 525 v. Chr. in Eleusis, Attika; † 456 v. Chr. in Gela, Sizilien ist vor Sophokles und Euripides der älteste der drei großen Dichter der griechischen Tragödie.

Dieser Punkt ist schon überschritten. In der Tagesschau wird heute spekuliert und argumentiert, dass die Anerkennung der Volksrepubliken schon vorher feststand, der Zeigerstand von Putins Uhr im Video der Verkündung wird bemüht. Zum Glück sind die als Reaktion vorgesehenen Tarn-Kappen-Flugzeuge der Amerikaner schon vor Tagen in die Eiffel verlegt worden.

Warum habe ich das aufgeschrieben – vielleicht ist das der Beginn des letzten Abschnitts meines Tagebuchs. Wenn es in Europa zum Krieg kommt – wovor ich mich sicher wähnte – möchte ich für mich und andere festhalten wie es begann.

Zum Bild: Mahnmal auf dem Hartmannswillerkopf. Um diesen – damals strategisch bedeutsamen – Berggipfel starben im ersten Weltkrieg 30.000 Menschen.

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